#8 Silvesterpläne und ein Workshop
Was ich am 31ten mache, 20 Fragen zum Jahreswechsel und eine Lektüreliste zu Neuanfängen
Früher. Früher war es mir wichtig, was ich an Silvester mache. Früher haben wir bei mir in der WG Partys gegeben, die endeten, als es hell wurde und noch der letzte herumliegende Kronkorken zum Aschenbecher geworden war. Früher begann das neue Jahr also immer mit Exzess und Absturz, mit vielen Leuten, viel putzen, mit viel von allem, mit viel auch vom immergleichen.
Und dann war’s mir irgendwann zu viel. Zufälligerweise (oder auch nicht) fiel das zusammen mit meinem ersten Jahreswechsel in den Vierzigern. Mein Ex wollte in einen Club, ich wollte meine Ruhe. Ich habe ihm also viel Spaß gewünscht und mir ein Cashew-Chicken-Curry gekocht, mich ins Bett gefläzt und Frozen geguckt. Um 23 Uhr das Licht ausgemacht – und geschlafen. Das war das Jahr des Böllerverbots. Ich war selig.
Damit war der Bann gebrochen. Das Jahr darauf gab’s aufwändigen Makrelenauflauf und And Just Like That, mit mir selbst allein auf dem Sofa, das nächste Jahr Fuerteventura mit Christina und Ananasschorle, 12 Trauben, Bett. Ein Jahr später allein in Hamburg, Anne hatte mir ein paar Austern dagelassen, Bett. Letztes Jahr allein in Athen, Real Housewives of Salt Lake City, griechischer Salat, Honig, Bett. Habe ich etwas verpasst? Es fühlt sich nicht so an.
Eigentlich wollte ich Silvester dieses Jahr wieder woanders (nicht Berlin) und allein verbringen. (Wer in B wohnt, weiß, dass hier ein mehrtägiger Silvester-Bürgerkrieg stattfindet.) Aber dieses Jahr packe ich das nicht. Denn die Wahrheit ist: Ich bin müde. Ich will nirgendwohin. Ich will nur kochen, was richtig Geiles, früh ins Bett gehen und schlafen, wenn es irgendwie geht. Aber weil M. die gleichen Bedürfnisse hat, mache ich das dieses Jahr nicht alleine, sondern wir zu zweit. Ich schick ihr seit Wochen Nachrichten mit Menü-Vorschlägen, sie hat schon Rohkakao gekauft. Denn wir sind uns auch einig: Irgendwie ritualisieren möchten wir den Abend schon.
Das Jahr war hart. Ich habe neulich mit drei Freundinnen gezoomt, und wie das so ist in unserem Alter: Zusammen haben wir in diesem Jahr eine Mutter, zwei Väter und einen Ehemann verloren. A. sagte, sie wolle dieses Jahr endlich loswerden, es sei so beschissen gewesen. Ich verstehe das, aber ich selbst bin dem Jahr nicht Gram. Es war kein einfaches Jahr, nein, aber mei, so ist das. Es gibt ja noch genug harte Dinge, die passieren werden und die kommen halt in einer Zukunft, der es egal ist, welche Zahl ein Mensch daran packt. Jahre sind ja eh nur das, was passiert, wenn es erst kälter, dann wärmer und dann wieder kälter wird.
Naja, aber sie sind es natürlich nicht nur. Denn schon im wärmer und kälter werden liegt ja, wenn man so als Mensch draufguckt, ein Ritual verborgen. Und deswegen will ich auch der Magie des Anfangs und des Endes nicht den ganzen Zauber nehmen (im Gegenteil) und M. und ich planen ein paar Rituale für den Silvester-Abend. Dabei geht es ums Innehalten und Zurück- und nach-vorne-gucken und es wird auch drum gehen, dass wir uns überlegen, was wir ändern möchten.
Ich will nichts Großes verändern, kein neuer Mensch werden. Nichts radikal umkrempeln, nichts erzwingen. Denn weißt du, ich glaube, die großen Dinge haben wir eh nicht in der Hand. Was wir in der Hand haben, sind die kleinen Dinge. Als ich vor ein paar Jahren in Tel Aviv in einem Air BnB war, hatte mein Gastgeber eine Postkarte am Kühlschrank hängen:
“The Secret of Your Future is Hidden in Your Daily Routines” schrammt natürlich an der Weisheit von generischen Insta-Zitatekacheln, aber naja, nicht alle Zitatekacheln sind dumm.
Deswegen möchte ich im nächsten Jahr nichts Großes verändern, sondern die kleinen Dinge mehr ans Licht bringen. Dadurch entsteht Neues. M. und ich merken gerade, wie schön es ist, sowas gemeinsam zu machen – wie es bestärkt, wie es hilft, nicht allein damit zu sein. Deshalb kam mir die Idee: Vielleicht könnte ich einen Raum schaffen, in dem auch du und andere Frauen das machen können.
Und so kam ich auf die Idee mit dem Workshop:
“Und Jetzt? – Ein Workshop für Frauen, die ihren eigenen Rhythmus finden wollen
Ich lade dich ein, gemeinsam ins neue Jahr zu gucken. Nachzudenken, was dir wirklich wichtig ist. Nicht die großen Ziele – sondern die kleinen Dinge. Mit anderen Frauen zusammen, die die gleiche Frage haben. Dabei geht es nicht ums Ich-weiß-genau-wie-du-das-machen-musst, nicht ums Klagen, sondern ums Bestärken. Jede soll die Gelegenheit haben, ihre ganz individuellen Pläne mitzubringen.
Wir treffen uns online an drei Abenden im Januar/Februar, jeweils eineinhalb Stunden. Du kriegst vorab zehn Fragen zum Sortieren. In Termin 1 schauen wir gemeinsam hin: Was hast du vor, was brauchst du? In Termin 2 vertiefen wir. In Termin 3 formulierst du, was dein nächster Schritt ist. Am Ende: Eine kleine Gruppe von Frauen, die verstehen, worum es dir geht. Und ein Plan, wie du das, das dir wichtig ist, wirklich tust.
Kosten: 69 Euro (59 Euro für Paid-Abonenntinnen)
Termine: Donnerstag 15.1, Mittwoch 28.1. und Donnerstag 5.2. - jeweils 19.30h
maximale TN: 10 Wir werden eine bewusst kleine Gruppe von maximal 10 Frauen sein, damit Vertrauen entstehen kann und niemand untergeht.
Falls du einen Termin verpasst, schicke ich dir eine Sprachnachricht mit den Infos aus der Sitzung. Außerdem wird es eine Signal-Gruppe für Austausch geben.
Die genaue Workshop-Beschreibung findest du hier.
Und wenn du magst: Hinter der Paywall findest du zwanzig Fragen aus dem Silvester-Fragespiel, das ich für M. und mich zusammengestellt habe, plus eine kleine Lektüreliste mit Gedichten, Sachbüchern und Artikeln zu Enden, Übergängen, Neuanfängen.
Zunächst das Silverster-Fragespiel:
Dieses “Spiel” habe ich vor Jahren mal mit einer Freundin an Silvester gemacht: Wir haben beide ein paar Fragen auf Papierschnipsel geschrieben, zusammengefaltet und in eine Schüssel getan, dann hat jede abwechselnd eine Frage rausgefischt und wir haben sie beantwortet und darüber gesprochen. Das hat (unverhältnismäßig) viel Spaß gemacht, es wurde auch (verhältnismäßig) tiefgründig und war ein schöner Weg, um das Jahr nochmal ein bisschen Revue passieren lassen und voreinander laut darüber nachzudenken (und eine andere Perspektive zu eröffnen).
Hier die 20 Fragen, die ich für M. und mich vorbereitet habe:
Was war leichter, als du dachtest?
Was hast du an deinem Geburtstag gemacht?
Was darf so bleiben, wie es ist?
Welche Farbe hatte das Jahr? (welchen Geruch?)
Was war dein Lied des Jahres?
Was hast du dieses Jahr zum ersten Mal gemacht?
Welches Gespräch aus diesem Jahr ist dir im Kopf geblieben?
Was hast du dieses Jahr aufgegeben – und vermisst du es?
Wer hat dich dieses Jahr überrascht?
Wer (oder was) hat dich enttäuscht?
Welches Essen/Gericht steht für dieses Jahr?
Was hast du dieses Jahr zu oft gemacht?
Wann hast du dieses Jahr gelogen – und warum?
Was hat sich dieses Jahr in deinem Gesicht verändert?
Welchen Satz hast du dieses Jahr zu oft gesagt?
Was willst du nächstes Jahr weniger erklären müssen?
Was willst du morgen machen?
Katy Hessel hat vor ein paar Jahren “The Story of Art Without Men” geschrieben und das Buch wurde zum Bestseller. Habe ich nicht mitbekommen. Dafür habe ich neulich eine 3sat-Doku zum Thema gesehen, in der sie als Expertin auftrat. Ihr Buch habe ich dann meiner Mutter geschenkt und mir selbst “How to Live an Artful Life - 366 inspirations from artists on how to bring creativity into your everyday”. Gelesen habe ich es zwar noch nicht, aber empfehlen kann ich’s trotzdem schon. Für jeden Tag gibt’s Inspiration einer Künstlerin, wie:
“If you can’t open the door, smash it down” -How do you think Tracey Emin became Dame Tracey Emin? Smash it down!
oder auch längere Passagen aus Romanen, Fotos von Bildern und Skulpturen, dazu Reflektionen, Fragen, kleine Ideen. Ich freu mich richtig drauf.
Zum neuen Jahr auch passend die Frage: Wie wurden wir die, die wir sind? Joshua Rothmann hat im New Yorker darüber geschrieben:
“the future looms, and we must decide how to act based on the past. You can’t continue a story without first writing one.”
Oliver Burkeman schreibt im Guardian darüber, wie man Neujahrsvorsätze einhält (“don’t make them"!") und Sarah Miller hat sich schon 2020 gewünscht, Silvester endlich abzuschaffen.
Und zu guter Letzt lasse ich Dir noch ein Gedicht da, von Hilde Domin:
Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.
Vielen Dank für Deine Unterstützung <3 und alles, alles Liebe für 2026
Deine Gunda



